Vögeln bis der Arzt kommt

Krankhafte Lust: Ist mein Partner sexsüchtig?

Sexsucht, auch Hypersexualität genannt, reißt Betroffene oft ins Verderben. Woran man sie erkennt und welche Folgen sie hat.

Du hast im Browser-Verlauf deines Partners hauptsächlich Porno-Seiten entdeckt? Und irgendwie kennt er kein anderes Thema mehr als Sex? Hier erfährst du, wann das Verhalten bedenklich wird.

Aber Vorsicht vor einem schnellen Vorurteil: Nur weil man sexuell aktiv ist, ist man noch lange nicht Charlie Sheen. Der soll 2013 über 1,6 Millionen Dollar für Prostituierte ausgegeben haben. Womit er zu den prominentesten Opfern von Sexsucht zählt. Kein Wunder also, dass ihm die Rolle des von Frauen besessenen Alkoholikers Charlie Harper in „Two an a half Man“ so lag. In der Sitcom brachte er uns damit zum Lachen – im wahren Leben brachte ihm seine Hypersexualität allerdings massive Probleme ein. Er verlor den TV-Job und steckte sich auch noch mit HIV an.

Hypersexualität – eine ernst zu nehmende psychische Störung

Sexsüchtige werden oft schlicht als Aufreißer abgetan. Dabei handelt es sich bei dem übermäßigem Verlangen nach Sex um eine ernst zu nehmende Krankheit. Die WHO erkannte die Sexsucht 2018 deshalb offiziell als eine psychische Störung an. Der Drang Betroffener, Sex zu haben, ist übergroß und verursacht einen erheblichen Leidensdruck. Sie suchen zwanghaft nach sexueller Bestätigung – negativer Konsequenzen zum Trotz. Ohne sexuelle Befriedigung leiden Betroffene an psychischen Entzugserscheinungen. Die Erkrankung zählt darum zu den Verhaltenssüchten und spielt in der gleichen Liga wie die Kauf- oder Spielsucht.

Wenn die Lust zur Droge wird

Die sexuelle Betätigung hat für Erkrankte die gleiche Wirkung wie eine Droge. Denn der Geschlechtsverkehr verdrängt negative Gefühle und wandelt die in Hochgefühle um – leider aber nur kurz. Außerdem nimmt das Glück von Mal zu Mal ab, weshalb Erkrankte die „Sexdosis“ immer wieder erhöhen müssen. Oft kommen Betroffene an den Punkt, an dem der Sex ihnen nicht mehr das gibt, wonach sie suchen. Wie beim Drogenentzug reagieren sie frustriert, aggressiv, nervös oder depressiv.

Doch wo hört ein normales Sexleben auf und wo fängt Hypersexualität an?

Symptome der Sexsucht

Eines vorweg: Wie oft man Geschlechtsverkehr hat, spielt bei der Erkrankung nicht unbedingt eine Rolle. Vielmehr äußert sie sich eben in der Tatsache des Zwangs mit negativen Folgen. Die Bordellrechnung kann nicht mehr gezahlt werden? Der Job steht auf dem Spiel? Die Gesundheit ist wegen vieler wechselnder Sexpartner gefährdet? Sexsüchtige kennen derartige Probleme – aber können den Drang nach Sex nicht stoppen.

Sie haben ständig sexuelle Phantasien, konsumieren exzessiv und häufig über mehrere Stunden am Tag Pornos, haben häufig wechselnde Partner und sind immer auf der Suche nach dem Kick. Hypersexuelle leiden zudem an einem gestörten Sozialverhalten und Realitätsverlust. Das kann sich darin äußern, dass Erkrankte sich aggressiv gegenüber Menschen verhalten, die ihrem ästhetischem Empfinden nicht entsprechen. Kurz: Die Gedanken Betroffener drehen sich unentwegt und unkontrollierbar um Sex, was ihr Leben stark beeinträchtigt.

Was können Betroffene tun?

Mit therapeutischer Hilfe können Sexsüchtige die psychische Störung gut in den Griff bekommen. Die Kontrolle über das Sexualleben lässt sich unter anderem mit einer ambulanten Verhaltenstherapie oder verhaltenstherapeutischen Einzel- oder Gruppensitzungen zurückgewinnen. Auch in Selbsthilfegruppen finden Erkrankte Unterstützung. Der erste wichtige Schritt ist, dass sie selbst erkennen und einsehen, dass sie von der Sucht betroffen sind.

Hilfe für Betroffene:

Quellen:

Kornelius Roth, Sexsucht Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige, 4. Auflage, Ch. Links Verlag, 2012

Schritte aus der Sexsucht, Weißes Kreuz, www.weisses-kreuz.de (Aufgerufen 05/2020)

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